Samstag, 2. Januar 2010

Projekt 2007: Pahuancuay

Projektbericht Pahuancay (12. 07. bis 14. 08. 2007)

Bau eines Bildungszentrums

Pahuancay ist ein Bergdorf in der ecuadorianischen Provinz Azuay. Es liegt auf ca. 2000 m Höhe und ist 2½ Autostunden von der nächst größerer Stadt Naranjal entfernt. In Pahuancay leben 35 Familien mit durchschnittlich 6 bis 12 Menschen. Im weiteren Umkreis leben noch weitere 50 Familien, die zur Gemeinde Pahuancay gehören.

Die Lebensgrundlage dieser tüchtigen und lebensfrohen Menschen sind Landwirtschaft und Viehzucht. Zwar können die Menschen teilweise selbst für ihr tägliches Brot sorgen, dennoch ist das Leben, gerade der jungen Menschen, geprägt von Perspektivlosigkeit und fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten. Der einzige Besitz der Menschen ist ihr Grund und Boden, der sich jedoch nicht unbegrenzt auf die Kinder der Großfamilien aufteilen lässt. Viele der jungen Menschen sehen oft nur in der Flucht in die USA oder Europa den letzten Ausweg. Schlepper versprechen ihnen einen sicheren Job, mit dem sie dann die extrem teure Schleppergebühr zurückzahlen können. Diese beträgt über 10.000.- Dollar und kann nur über Kredit bezahlt werden. Falls es diese Menschen überhaupt über die Grenze schaffen, warten dann meist nur äußerst schlecht bezahlte Billigjobs, Arbeitslosigkeit oder die Abschiebung in die Heimat. Die aufgenommenen Kredite belasten die Familien daheim über lange Jahre oder führen überhaupt dazu, dass diese alles verlieren, da die Zinsen oft unbezahlbar sind.

Bildung ist somit die wichtigste Voraussetzung für die jungen Menschen, um eine menschenwürdige Arbeit zu finden und so ihre Familie auch weiterhin unterstützen können.

Die verpflichtende 5jährige Grundschulausbildung wird zwar von staatlicher Seite finanziert, für die Weiterbildung, im besten Fall bis zur Zulassung zum Universitätsstudium, fehlte in Pahuancay bisher jedoch eine geeignete Räumlichkeit. Somit war es auch für eine Lehrperson unattraktiv hier zu unterrichten. Bisher waren die – bis jetzt – 26 Schüler nur unzureichend untergebracht. Da jedoch auch Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern in Pahuancay die Möglichkeit zur Weiterbildung gegeben werden soll, haben wir uns als “Amigos de Austria” entschlossen, den Menschen dieser abgeschiedenen Gegend unterstützend und solidarisch zur Seite zu stehen.

Der größere Teil unserer Unterstützung für das Bildungszentrum war die Finanzierung des Baus mit 30.000 Dollar, weitere 4.000.- Dollar konnten für die Einrichtung hinterlassen werden. Das Haus ist 18,60 x 14 Quadratmeter groß und hat zwei Stockwerke. Unten sind vier Schulklassen, Lehrerwohnung, Küche und ein kleines Büro vorgesehen, im oberen Stock ein großer Mehrzweckraum. Die finanziellen Mittel dafür stammen aus Spenden von engagierten Einzelpersonen, verschiedenen solidarischen Gruppen, Schulprojekten und Unternehmen. Die verbleibenden Kosten wurden von der Dorfgemeinschaft und der Verwaltung des Bezirks aufgebracht.

Getreu unserer Philosophie der “Globalisierung der Solidarität” unterstützten wir das Projekt auch mit einer Gruppe von 15 Freiwilligen, die einen Monat unentgeltlich (auch die Kosten für Flug und Aufenthalt wurden selbst aufgebracht) ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten und diese Zeit solidarisch bei Arbeit, im Alltag und in der Freizeit gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft verbrachten.

Trotz des relativen kurzen Aufenthalts unserer Gruppe konnten wir schon gewaltige Fortschritte miterleben und mitgestalten. Bei unserer Abreise war das Erdgeschoss bereits fertig gestellt, und es wurde schon an der Decke gearbeitet. Diese schnelle und positive Entwicklung verdanken wir einerseits einer begeisterten und motivierten Dorfgemeinschaft, dessen Menschen bei der Arbeit die Begeisterung für ihr Haus, ihr Projekt, ihre Zukunft jeden Tag aufs Neue zeigten, andererseits auch der Unterstützung von unerwarteter Seite. Der staatliche Bildungsbeauftragte so wie eine kirchliche Bildungsstiftung war auf das Projekt aufmerksam geworden. Nach Besichtigung der Baustelle und Treffen mit den Verantwortlichen aus Dorf und Gruppe, wurde von beiden Seiten weitere Unterstützung für das Projekt zugesagt.

Einen weiteren Teil des Erfolgs des Projekts trägt auch der für dieses Gebiet zuständige Padre Teodoro, der viel Zeit und Energie in die Vorbereitung und Durchführung des Projekts steckte. Auch auf der Baustelle packte er kräftig mit an, und ein Großteil der Baumaterialien wäre ohne seine häufigen Besuche wesentlich schwieriger zu bestellen gewesen. Nicht bei allen unseren vorangegangenen Projekten sind wir so tatkräftig vom zuständigen Padre unterstützt worden, der in diesen Gebieten meist eine wichtige Integrationsfigur für die Dorfgemeinschaft ist.

Nicht zuletzt haben wir, die “Amigos de Austria”, unseren Teil zum Entstehen des Bildungszentrums beitragen können. Motiviert durch die Begeisterung der Dorfgemeinschaft und die herzliche Aufnahme in die Mitte ihrer Gemeinde haben wir, jung und alt, Mann und Frau, hart aber gern gearbeitet. Auch wenn das einfache Leben und die harte körperliche Arbeit auf der Baustelle für viele von uns ungewohnt waren und wir manches Mal an unsere körperlichen und emotionalen Grenzen gestoßen sind, nehmen wir viel Schönes, viele neue Erfahrungen und viele neue Freundinnen und Freunde mit nach Hause, mit in unseren Alltag, in unsere Familien und in unseren Freundeskreis, vor allem die Erfahrung, dass eine andere Welt möglich ist, eine Welt der gelebten Solidarität und des Miteinanders.

Wir wünschen unseren Freundinnen und Freunden in Pahuancay alles Gute und Liebe heute und für die weitere Zukunft.

All den Spenderinnen und Spendern ein großes „Vergelts Gott“ für die großartige Unterstützung, ohne die das tolle Projekt nicht möglich gewesen wäre.


Link zur Website der Zona Misionera, inkl. Fotos

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen